By club_forum | August 4, 2008 - 9:44 - Posted in PIG

MANGELNDE GESPRÄCHE & ALTERNATIVEN
STEHT DER CLUB FORUM VOR DEM AUS?

BÖBLINGEN | Der Club Forum, seit rund 30 Jahren eine von Jugendlichen eigenständig geführte Einrichtung der Evangelischen Kirche, die in ihrer Art weit und breit nicht oft zu finden ist , soll weg. Das Haus an der Berliner Straße muss saniert werden und der Evangelischen Kirche fehlt das Geld. Weil die Kirche unter finanziellem Druck steht, da die Feste Burg in der Sindelfinger Straße ebenfalls mit viel höherem finanziellen Aufwand saniert werden muss, soll das Forum verkauft werden. Wie es momentan scheint wird eine der wenigen Plattformen für jugendliche Kultur in Böblingen verschwinden. Mangelnde Alternativen und vor allem die späten, raren Gespräche mit den Forumlern, haben die Jugendlichen erzürnt. Sie fühlen sich nicht ernst genommen. Das PIG hat mit Julian Richter, Melanie Pietsch und Saki Tsirikiotis vom Club Forum gesprochen. Im folgenden Kasten die Essenzen der Kritik:

„Wir fühlen uns hintergangen. Die Planungen laufen seit zwei Jahren, es gab bis vor kurzem keine Kommunikation und gemeinsamen Lösungssuche.“

„Wir haben sehr spät aus der Zeitung erfahren, dass das Forum verkauft werden soll. Wir fühlen uns von der Kirche als Gesprächspartner nicht ernst genommen.“

„Wir denken, dass ein Schnellschuss an uns vorbei geplant war, denn anfangs wurden wir gar nicht wahrgenommen. Es fand gar keine Auseinandersetzung statt.“

„Wir müssen uns wehren und die Diskussion in die Öffentlichkeit tragen, damit wir wahrgenommen werden
und das, was bisher hier geleistet wurde, geschätzt wird.“

„Es ist bedenklich, dass das Kulturamt erst nach 30 Jahren anerkannt hat , dass hier Jugend- und Kulturarbeit
geleistet wird.“

„Das Waldheim ist keine adäquate Alternative und ist übrigens auch nicht
gut ausgelastet.“

„Die Kirche sagt, das Forum ist kaum ausgelastet, nicht wirtschaftlich und so nicht haltbar. Sie vergisst aber,
dass wir kein Konzern sind, sondern Jugendliche, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich etwas auf die Beine stellen. Ist es etwa wirtschaftlich eine Orgel für 30 000 Euro in eine Kirche zu stellen?“

„Die Stadt muss hier auch Verantwortung übernehmen, denn hier wird seit 30 Jahren ehrenamtlich Jugend- und Kulturarbeit verrichtet.“

Das PIG hat ebenso mit dem Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks, Bernd Liebendörfer, gesprochen. Unten die Essenzen seiner Sicht der Dinge:

„Ich habe selbst erst Anfang des Jahres beim Neujahrsempfang davon erfahren.“

„Wir haben deshalb erst so spät mit den Jugendlichen gesprochen, weil das Forum nur eine Gruppierung im Jugendwerk ist. Und das Jugendwerk wusste davon schon seit eineinhalb Jahren.“

„Es ist ja noch nichts entschieden. Wir befinden uns jetzt in einer Phase, in der noch viel gestaltet werden kann.“

„Wir haben einen großen f inanziellen Druck und in diesem Zusammenhang müssen von allen Parteien Kompromisse gemacht werden. Auch die Stadtkirche zum Beispiel gibt einen Teil ihres Hauses auf.“

„Wir sehen hier auch die Stadt, mit der wir auch das Gespräch suchen, in der Verantwortung, da es auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Stadt ist, solche Räume und Möglichkeiten wie den Club Forum zu schaffen.“

„Unmittelbar nach den Sommerferien sind verschiedene Gesprächsrunden anberaumt. Und wir haben natürlich auch das Ziel , miteinander nach einer Lösung zu suchen, wo die Arbeit des Club Forum fortgesetzt werden kann. Und da muss man eben wie alle anderen auch Kompromisse eingehen.“


Wenn ihr das Forum unter stützen wollt, dann nehmt zum Beispiel bei der Unterschriftenaktion teil. Mehr Infos im Netz unter www.clubforum.de.

By club_forum | August 3, 2008 - 2:16 - Posted in Kreiszeitung

KOMMENTAR

Vorprogrammiert

VON ROBERT KRÜLLE

Die Tendenz ist klar: Es geht in Richtung Verkauf des Hauses der Jugend, auch wenn der Beschluss des evangelischen Gesamtkirchengemeinderats schwammig war und keine eindeutige Ansage bedeutet. Aus finanziellen Gesichtspunkten sind die Pläne nachvollziehbar, wobei noch unklar ist, wie hoch der Erlös aus dem Verkauf des Gebäudes im Paul-Gerhardt-Weg 8 sein könnte.

Zum Konflikt zwischen Gesamtkirchengemeinde und Club Forum ist es aber gekommen, weil es offensichtlich an der Kommunikation gehapert hat. Wäre frühzeitiger mit den Mitgliedern des Club Forums gesprochen worden, hätte das dem Thema viel Brisanz genommen. Selbst der Arbeitskreis Jugend klagte darüber, dass er viel zu kurzfristig informiert worden sei, um sich über neue Konzepte Gedanken zu machen.

Der Dekan Bernd Liebendörfer hat in der Sitzung am Mittwochabend zwar betont, das Evangelische Jugendwerk (EJW) habe von den Plänen gewusst - und daher stellt sich die Frage, wie im EJW intern kommuniziert wird -, gleichzeitig hätte der Dekan aber gut daran getan, sich persönlich frühzeitig als Moderator ins Spiel zu bringen. Schließlich sind die finanziellen Argumente auch für die Forumler nachvollziehbar. Aber die Identifikation mit dem Haus der Jugend ist so groß, dass es zum Konflikt kommen muss, wenn an den Nutzern vorbei entschieden wird. Der Ärger war vorprogrammiert.

Zu: “Dekan meldet sich zu Wort”, KRZ vom 15. Juli.

Dekan Liebendörfer forderte in dem Artikel eine sachliche Diskussion. Diese will ich gerne mit ihm führen. Da dem Club Forum die Möglichkeit einer Diskussion bislang noch nicht geboten wurde, freue ich mich über dieses Angebot. Aus meiner Sicht bedürfen einige der vom Dekan angesprochenen Punkte tatsächlich einer sachlichen Erörterung.

Zunächst fällt auf, wie oft der Dekan den Gesprächsbedarf mit dem Club Forum betont. Es ist die Rede von einer anberaumten Sitzung, bei der entsprechende Themen geklärt werden sollen. Dazu ist anzumerken, dass diese Sitzung keineswegs vom Dekan initiiert ist. Es handelte sich vielmehr um eine regelmäßige Sitzung des Arbeitskreises Jugend, bei der eine Teilnahme des Club Forum ohnehin vorgesehen ist. Dieser Umstand gipfelt zudem in der Tatsache, dass der Dekan es nicht für nötig hielt, zu dieser Sitzung zu erscheinen.

Die Anmerkung, es gebe im Haus der Jugend erhebliche Leerstände, entbehrt jeglicher Sachlichkeit. Selbstverständlich sind die Räumlichkeiten des Evangelischen Jugendwerks, die der Club Forum mitnutzt, Veranstaltungsflächen. Wen wundert es da, dass sie daher nicht ständig in Benutzung sind? Darüber hinaus sei darauf hingewiesen, dass der Club Forum im Jahr 2001 eine Ausschreibung der Hand-in-Handwerker gewann. Allein dadurch konnte eine Renovierung dieser Veranstaltungsflächen im Wert von circa 50 000 Mark realisiert werden.

Dekan Liebendörfer spricht davon, dass die Veranstaltungsräume wirtschaftlich nicht haltbar seien. Ein solches Argument ist vor dem Hintergrund der Struktur des Club Forum völlig unangebracht. Wer berücksichtigt, wie viele Arbeitsstunden die Mitglieder unentgeltlich ins Club Forum stecken, wird wohl nicht Maßgaben eines wirtschaftlich arbeitenden Unternehmens heranziehen können. Wie kann man von Jugendlichen, die sich neben ihrer Schulzeit freiwillig betätigen, noch erwarten, Profite zu erwirtschaften? Im Übrigen leistet der Club Forum seine Arbeit mittlerweile ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung von Seiten der Kirche oder der öffentlichen Hand.

Selbiges gilt in ähnlicher Form für die Teamräume des Club Forum unter dem Dach. Klar ist, dass deren Nutzung nicht während normaler Geschäftszeiten stattfinden kann. Diese Tatsache ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sich die Mitglieder des Club Forum aus Schülern oder Berufstätigen zusammensetzen. Diese kommen freiwillig nach ihren jeweiligen Hauptbeschäftigungen, um ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Hiervon kann sich gerne jeder, der bereit ist, ein paar Stunden seiner Freizeit zu opfern, persönlich überzeugen. Zwar sind die Mitgliederzahlen momentan nicht auf dem Niveau manch früherer Jahre. Dies ist jedoch auch saisonal bedingt und sollte in keinem Fall damit therapiert werden, dem Club Forum Räume zu entziehen.

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, wie eng die Identität des Club Forum mit den Räumlichkeiten im Paul-Gerhardt-Weg verbunden ist. Der Dekan gibt hier selbst das Stichwort: Der Discokeller als eines der wichtigen Standbeine des Clubs wurde in mühsamer Handarbeit von den Mitgliedern ausgebaut. Der Club in seiner jetzigen Form lässt sich nicht verpflanzen wie eine Balkonprimel. Er ist vielmehr ein gewachsener Baum, dessen Entwurzelung dem Exitus gleichkommt.

Zülfükar Gezen, Böblingen

By club_forum | - 2:11 - Posted in Kreiszeitung

Evangelische Jugend macht sich für ihr Haus stark
“Club Forum” will sich massiv gegen die Verkaufspläne wehren - Zahlreiche Aktionen geplant

Böblingen - Die Mitglieder des “Club Forum” geben nicht auf. Sie wollen sich mit allen Mitteln gegen den drohenden Verkauf des Hauses der Jugend im Paul-Gerhardt-Weg wehren.

Die evangelische Kirche überlegt, die Immobilie an die Stadt zu verkaufen, um die Sanierung des Gemeindehauses Feste Burg in der Sindelfinger Straße zu finanzieren. In einer außerordentlichen Sitzung des Gesamtkirchengemeinderats in der vergangenen Woche war der Verkauf nicht definitiv beschlossen worden, man war sich aber einig, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Jetzt machen die Forumler mobil. Einem Umzug in die Feste Burg erteilen sie nach wie vor eine klare Absage: “Es geht uns um den Erhalt des Hauses der Jugend”, erläutert Sprecher Martin Wastian, “im Gegensatz zur Festen Burg sehen wir nur bei den Räumlichkeiten im Paul-Gerhardt-Weg die Möglichkeit, weiterhin eine sinnvolle Jugendkulturarbeit zu leisten.” Zudem würde ja nicht nur nur der Club Forum das Haus nutzen, sondern auch Pfadfinder, Waldheimhelfer, Musikbands und vor allem die Jugendlichen aus der Region.

Jetzt haben die Forumler eine Unterschriftenaktion gestartet, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen. “Dazu werden wir Unterschriftenlisten in den Schulen, in Jugendeinrichtungen, in Gemeindehäusern, aber auch in Geschäften und Gaststätten auslegen”, so Wastian, “aber auch gezielte Aktionen auf Plätzen starten.” In diesem Rahmen wollen die Fo- rumler auch “Böblinger Prominenz” für ihre Sache gewinnen. Darüber hinaus sind weitere Aktionen geplant: zum Beispiel die Verteilung von Flyern und Plakaten. “Um eine breitere Öffentlichkeit über unser Problem zu informieren und weitere Unterstützer zu finden”, so Wastian. Inzwischen haben die Forumler sogar eine Extra-Internetseite mit der Adresse http://www.rettet-das-forum.de aus dem Boden gestampft: “Die Homepage soll sowohl informieren als auch weitere Unterstützer sammeln”, erläutert Wastian. “Jede Info, Zeitungsartikel, Statements aus Stadt und Kirche sollen hier veröffentlicht werden.” Über diese Plattform startet der Forum-Förderverein einen Spendenaufruf, um die Auseinandersetzung der Forumler nicht nur ideell, sondern auch finanziell zu fördern.

“Die Homepage bezieht sich nicht nur auf den Club Forum”, betont dabei Martin Wastian, “sondern auf das Haus der Jugend als ganzes.” Man habe aber den Begriff “Forum” gewählt, weil das Haus unter diesem Namen in der Öffentlichkeit bekannt sei. Auch auf der populären Internet-Plattform StudiVZ sind die Forumler aktiv. Vor einer Woche ist dort die Gruppe “Rettet das Haus der Jugend - Solidarität mit dem Club Forum” gegründet worden und hat bereits fast 600 Mitglieder.

By club_forum | - 2:09 - Posted in Kreiszeitung

Dekan meldet sich zu Wort
Liebendörfer zur Diskussion um Haus der Jugend

Böblingen - In der Diskussion um die Zukunft des Hauses der Jugend im Paul-Gerhardt-Weg 8 meldet sich jetzt Dekan Bernd Liebendörfer zu Wort.

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde erwägt einen Verkauf der Immobilie, die dort ansässige Jugendgruppe “Club Forum” protestiert dagegen.

“Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde ist an einer guten Zukunft für den Club Forum sehr interessiert”, schreibt Bernd Liebendörfer in einer Pressemitteilung. Damit die öffentliche Diskussion aber mit der nötigen Sachlichkeit geführt würde, sei es notwendig, einige Fakten zu betonen.

Der Dekan habe in Briefen an den Club Forum, den Förderverein des Clubs Forum und den Jugendgemeinderat die Bedeutung der durch das Club Forum geleisteten Arbeit unterstrichen. “Die Kirche ist bemüht, mit den Betroffenen die Situation zu klären”, so Liebendörfer. Für den heutigen Dienstag sei im Evangelischen Jugendwerk eine Sitzung anberaumt, bei der unter Einbeziehung des Clubs Forum das Thema zur Sprache kommen würde. “Gute Lösungen brauchen das gemeinsame Gespräch und kreative Ideen”, schreibt der Dekan.

“Auf der Suche nach einer guten Lösung für die Sache muss allerdings berücksichtigt werden, dass es im Haus der Jugend, in dem auch der Club Forum untergebracht ist, erhebliche Leerstände gibt”, schreibt Liebendörfer. Im Erdgeschoss gebe es zu wenig Veranstaltungen und Vermietungen. Es sei “klar, dass ein Stockwerk, in dem etwa einmal pro Monat eine Veranstaltung stattfindet, wirtschaftlich nicht haltbar ist.” Das gelte für das gesamte Haus der Jugend. Im Dachgeschoss stehe dem Club Forum eine ganze Wohnung rund um die Uhr zur Verfügung, die allerdings fast nur zu Treffen am Wochenende genutzt werde. “Die Bedeutung des Clubs Forum liegt nicht zuletzt in der langjährigen, guten Arbeit, die dort geleistet wurde”, betont Liebendörfer. “Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Club Forum selber eine eher kleine Gruppe von nicht einmal einem Dutzend Jugendlichen ist, die keineswegs ständig hohen Raumbedarf hat.” Die Nutzung der Räume im Haus der Jugend lägen weit unter dem, was man unter einer normalen Auslastung versteht - abgesehen von den Büros des Jugendwerks.

“Die Kirche steht in ihrer Jugendarbeit unbeirrt dafür, dass es Freiräume für die Jugendlichen geben muss”, schreibt der Dekan, “Selbstverantwortung und Gemeinschaft einzuüben, sind wichtige Aufgaben.” Doch diese Art von Jugendarbeit sei nicht an ein bestimmtes Haus gebunden. “Wenn es zu einem Umzug in die Feste Burg kommt, dann gehen alle Verantwortlichen davon aus, dass auch dort die Jugendarbeit ihre Freiräume bekommen wird. Das wurde von mehreren Seiten im Gesamtkirchengemeinderat betont.” Für problematisch hält Liebendörfer, einen gleichwertigen Ersatz für den Disco-Keller im Haus der Jugend zu finden. Hier müsse man sich zusammensetzen und eine sachliche und kreative Diskussion führen. “Mit Stimmungsmache werden Probleme nicht gelöst.”

Schließlich verweist Bernd Liebendörfer auf den immensen finanziellen Druck. Es “müsste für das Haus derzeit eine Rücklage in Höhe von 300 000 Euro für die Gebäudeunterhaltung vorhanden sein.” Tatsächlich stünden aber nur 3000 zur Verfügung.

Hierzu auch die komplette Pressemitteilung von Dekan Bernd Liebendörfer direkt hier nachzulesen

By club_forum | - 2:06 - Posted in Kreiszeitung

Jusos: Hilfe für den Club Forum

Böblingen - In der letzten Sitzung haben sich die Jungsozialisten aus Böblingen und Sindelfingen über die Pläne der Kirche informiert, das Haus abzureißen, in dem die Jugendorganisation “Club Forum” derzeit beheimatet ist. Zwei Mitglieder des “Club Forum” waren zu Gast, um die Jusos zu informieren und die Jugend zu alarmieren, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Pläne, das jetzige Haus abzureißen und das “Club Forum” halbherzig in wesentlich kleinere und schlechter ausgestattete Räumlichkeiten umzusiedeln, bedeute de facto das Ende legendärer Forum-Parties und den Wegfall eines bedeutenden Stücks Böblinger Jugendkultur. Die Jusos seien entschlossen, nicht tatenlos zuzusehen, wie über die Köpfe der Jugend hinweg eine Entscheidung gefällt werde, sondern sprächen sich dafür aus, das “Club Forum” als wichtige Stätte der Jugendkultur zu erhalten und den engagierten Mitgliedern, Ideenträgern und Projektmotoren die nötige Unterstützung nicht zu entziehen.

By club_forum | - 2:05 - Posted in Kreiszeitung

“Für uns gibt es keine wirkliche Alternative”

Böblingen - Wohin mit dem Club Forum? Seit die evangelische Gesamtkirchengemeinde plant, das Haus der Jugend im Paul-Gerhardt-Weg zu verkaufen, bangen die Jugendkulturmacher um ihre Heimat. Die KREISZEITUNG hat sich mit einigen Forum-Vertretern unterhalten.

Der Club Forum ist 1979 aus einer Konfirmationsgruppe hervorgegangen und macht seither weitgehend selbstbestimmt Jugendkulturarbeit in der Stadt. Die wichtigsten Veranstaltungen sind die Offenen Tage, das Open Air sowie Podiumsdiskussionen und politische Informationsveranstaltungen. Der harte Kern besteht aus knapp zehn jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren.

KRZ: Alle reden von optimalen Räumlichkeiten im Haus der Jugend. Was ist dort so erhaltenswert?

Pascal Angladagis: Wir haben hier in einem Gebäude einen großen Veranstaltungsraum und einen Disco-Keller, die vorwiegend von Jugendlichen und für Privat-Partys genutzt werden. Etwas ähnliches gibt’s in der Stadt nicht mehr.
Pia Radtke: Hinzu kommt, dass wir uns hier austoben können, gestalten können, wie wir wollen. Wenn beispielsweise eine Wand nicht mehr weiß sein soll, dann hat da niemand ein Problem, wenn wir sie umpinseln, sie mit Graffiti versehen oder auch für die “Offenen Tage” komplette Räume umbauen.
Julian Richter: Das macht auch den Reiz an dieser Arbeit aus. Ganz zu schweigen, von dem vielen Aufwand, den wir hier reingesteckt haben. Da hängt viel Herzblut dran.
Sven Reisch: Letztendlich steht dieses Haus auch für den Club Forum und seine Jugendkulturarbeit. Unsere Veranstaltungen waren schon immer verbunden mit diesem Ort. Hier ist alles an einer Stelle möglich - von der kleinen Party bis zum großen Open-Air-Konzert.

Habt ihr euch nach Alternativen umgeguckt?

Julian Richter: Wir haben uns die “Feste Burg”, wohin uns die Gesamtkirchengemeinde ja umsiedeln möchte, angeschaut. Da wir aber bisher keine Pläne erhalten haben, können wir zu dem dortigen Raumprogramm auch wenig sagen. Sonst hat sich keine wirkliche Alternative aufgetan. Das Problem ist, dass wir entsprechende Räume inklusive Warmmiete benötigen, sonst ist unsere Arbeit nicht möglich.
Sven Reisch: Uns ist kein Ort eingefallen, an dem diese Arbeit so weiterzuführen wäre wie bisher. Klar ist, dass es ohne entsprechende Gruppenräume keinen Club Forum mehr geben wird. Denn nur noch Treff einiger Leute, die auf gleicher Wellenlänge sind, zu sein, ist uns zu wenig.

Wie wäre es mit dem Waldheim Tannenberg, das sich ja im Besitz der Kirche befindet?

Julian Richter: Dort wäre schon genügend Platz. Aber das ist keine wirkliche Alternative, weil es zu weit weg vom Stadtzentrum liegt. Das wirkt nicht magnetisierend auf die Jugendlichen.
Melanie Pietsch: Viele unserer Besucher kommen von der Schönbuchlichtung. Wenn die in der Schönbuchbahn sitzen, würden die vermutlich gleich nach Stuttgart weiterfahren, anstatt mit dem Bus Richtung Tannenberg zu gelangen.

Gibt es Angebote für Räumlichkeiten?

Pia Radtke: Bisher nicht, außer dem gut gemeinten Vorschlag, künftig Open-Air-Konzerte im Baumoval zu veranstalten.

Von der Kirche hört man, dass rund 300 000 Euro benötigt werden, um das Haus der Jugend zu sanieren. Viel Geld, um einen Jugendclub am Leben zu erhalten, der schon bessere Jahre gesehen hat.

Julian Richter: Wir wollen vor dieser Situation nicht die Augen verschließen. Aber brauchen wir für die Kirche in der Stadt ein so großes Haus wie die “Feste Burg”? In diese Richtung sollte man sich unserer Meinung nach Gedanken machen. Schließlich wurde das Haus der Jugend erst im Jahr 2001 teilsaniert mit beachtlichen Eigenleistungen durch den Club Forum.
Markus Schweikert: Das Haus der Jugend für die “Feste Burg” zu opfern, wäre nur die einfachste Lösung.
Sven Reisch: Zum Thema “bessere Jahre”: Die Talsohle im Club Forum ist erreicht. Mit der Diskussion um das Haus der Jugend haben wir wieder Feuer gefangen und einige neue Mitglieder gewonnen.

Wie ist es derzeit um das Verhältnis zwischen Gesamtkirche und Club Forum bestellt?

Sven Reisch: Wir fühlen uns nicht ernst genommen und übergangen.
Markus Schweikert: Es ist schade, dass die Gesamtkirche nicht früher an uns rangegangen ist, um das Problem gemeinsam zu lösen.
Julian Richter: Wir wären schließlich die letzten gewesen, die sich nicht Gedanken gemacht hätten, wie Geld für eine Sanierung beizubringen ist. Diese Kommunikation ist auch ein Zeichen, wie unsere Arbeit in der Gesamtkirche gesehen wird. Das Problem ist auch, dass der Dekan enorm wenig über uns weiß.
Pascal Angladagis: . . . und sich nie die Mühe gemacht hat, uns kennenzulernen.
Markus Schweikert: Nur so ist die Idee, uns woanders hinzustecken, zu erklären.
Sven Reisch: Ich habe das Gefühl, dass man bei der Gesamtkirche gedacht hat, man kann in der derzeitigen Situation den Club Forum ganz gut abwickeln und war dann geschockt von den Reaktionen.

Gibt’s Gespräche?

Julian Richter: Es gibt Briefe, aber bisher keine Gespräche zu diesem Thema. Es ist uns ein großes Anliegen, dass uns die Kirchenleitung neben dem Arbeitskreis Jugend als gleichwertigen Gesprächspartner anerkennt.
Pascal Angladagis: Wir überlegen uns aber, den Gesamtkirchengemeinderat einmal einzuladen.

Wie geht es weiter?

Sven Reisch: Das ist schwierig einzuschätzen.
Pascal Angladagis: Wir werden auf jeden Fall kämpfen.

By club_forum | - 2:04 - Posted in Kreiszeitung

Club Forum: Stadt soll helfen


Böblingen - Auch im Jugendgemeinderat war die Zukunft des Club Forum (CF) Thema. Bei der Sitzung am Montagabend gab es von verschiedenen Seiten Druck auf die Stadt, sich für den Erhalt des Club Forum einzusetzen.

Nachdem eine Abordnung des Club Forum die Aufgaben und Absichten dieser Institution vorgestellt hatte, brach Pfarrer Wolfgang Salm, der den verhinderten Dekan vertrat, für den CF eine Lanze. “Böblingen würde anders aussehen, wenn der Club Forum nicht wäre”, sagte der Stadtkirchen- und Jugendpfarrer und sprach von “toller Arbeit”, die dort geleistet werde. Die Kirche wolle deshalb auch Verantwortung für diese Gruppe übernehmen, versprach Salm, forderte dies aber ebenso von der Stadt: “Die Arbeit des Club Forum ist auch nützlich für die Stadt”, befand er und sah die Existenz der Gruppierung auch “als Sache des Gemeinwesens nicht nur der 13 000 evangelischen Kirchenmitgliedern”.

Ähnliches war von den anwesenden Grünen-Gemeinderäten zu hören. Judith Blank forderte die Stadt dazu auf, das Haus der Jugend zu kaufen, die vom CF benötigten Räume an die Kirche zu vermieten und den Rest Bands als Proberäume zur Verfügung zu stellen. Rückenwind für den CF gab es auch aus den Reihen des Jugendgemeinderats. Der Vorsitzende Simon Behm war der Ansicht, dass man sich bei der Stadt überlegen müsse, “was ist uns der Club wert”. Verwaltung und Gemeinderat sollten sich überlegen, was sie für den CF erreichen könnten.

Vom städtischen Jugendreferenten Gerhard Gertitschke gab es ein klares “Ja” zum CF. “Die Stadt”, bekräftigte er, “möchte diese Arbeit erhalten”. Allerdings machte er klar, dass die Stadt sich nicht für das Gebäude, das im Besitz der Kirche ist, verantwortlich fühle. Mit jährlich 23 000 Euro für die Mitfinanzierung einer Jugendreferenten-Stelle der Kirche habe die Stadt “Strukturen geschaffen”, um die CF-Arbeit zu unterstützen.

Um die Differenzen zwischen CF und Kirchenleitung zu beenden, schlug der Jugendgemeinderat vor, ein Gespräch mit dem Dekan und den CF-Machern zu vermitteln.