Zukunft des Club Forum ist ungewiss
Böblingen - Am Ende hat aller Protest nichts geholfen. Obwohl sich rund 70 Unterstützer gestern vor und im Rathaus mit dem Club Forum solidarisch zeigten, muss die Jugendeinrichtung ihr Domizil im Paul-Gerhardt-Weg wahrscheinlich spätestens in 18 Monaten räumen. Der Gemeinderat beschloss eine Kaufabsicht für das Gebäude, um es für Kinderbetreuung zu nutzen.
VON MICHAEL STÜRM
Sprechchöre und “Forum, Forum”-Rufe auf dem Marktplatz boten das Vorspiel zur gestrigen Gemeinderatssitzung. Ein Auftakt, der den meisten Bürgervertretern, die sich von der Tiefgarage dem Ratssaal unterirdisch näherten, verborgen blieb. Nicht verborgen bleiben sollte hingegen OB Alexander Vogelgsang, wie viele Menschen sich einen Fortbestand des Club Forum (CF) an seinem angestammten Ort wünschen: 2023 Unterschriften überreichte Forumler Sven Reisch dem Stadtoberhaupt - inklusive einem T-Shirt, auf dem sich die Zahl aufgepinselt befand.
Dass er schon einfachere Themen zu debattieren hatte, gestand Vogelgsang, als er dann den Tagesordnungspunkt aufrief und viele Augen der Gemeinderäte nochmals die volle Zuhörertribüne ins Visier nahmen. Der OB sprach von berechtigten Anliegen aller Seiten und seinem Ziel, alle diese Bedürfnisse “unter einen Hut” zu bekommen, bezeichnete das Konzept, das der CF zu seiner Rettung ausgearbeitet hatte, als “leider keinen Ausweg”, lobte den “großen Beitrag” der kirchlichen Jugendkulturarbeiter für Böblingen, akzeptierte den Verkaufsdruck der Kirche und garantierte, dass er sich “als Person” in Lösungsgespräche einbringen wolle. Allerdings gab’s aus dem OB-Mund auch eine klare Ansage an den Gemeinderat. “Die Verwaltung braucht eine Segelanweisung”, betonte er. Die beinhalte für ihn das, was er zur Abstimmung vorschlug: Kauf des Gebäudes bis zum 30. Juni 2010 und eine damit verknüpfte Nutzung als Ort der Kinderbetreuung.
“Kein Symbol des Jugendprotestes schaffen”
Rund 90 Minuten und vier abgestimmte Anträge später war der OB dann auch am Ziel angekommen. Nach leidenschaftlicher Debatte, die vom Dilemma widerstrebender Interessen geprägt war, sicherten nahezu geschlossene Reihen in der CDU und bei den Freien Wählern der Verwaltungsposition eine deutliche Mehrheit.
Hier eine Gesamtkirchengemeinde, die dringend Geld und Planungssicherheit für die Sanierung ihres Gemeindehauses benötigt, dort eine Institution, die seit 30 Jahren einen bunten, aktiven und kreativen Tupfer in der Böblinger Jugendszene bietet: Die Zerrissenheit war sämtlichen Fraktionschefs anzumerken, als sie sich zur Sache äußerten. Hubert Kless (CDU) war dann jedoch die Notsituation der Kirche näher als der Fortbestand eines Hauses, das nur “20 bis 40 Tage im Jahr” genutzt sei. Genau wie er appellierte auch sein Freie-Wähler-Kollege Rainer Kuppinger an alle Beteiligten, sich zu bewegen und nach einer Lösung zu suchen, wenn das Haus im Sinne seiner Fraktion in Zukunft für Kinderbetreuung genutzt werde. Kuppingers größte Sorge: “Wir dürfen aus dem Club Forum kein Symbol für Jugendprotest machen, sonst gibt es nur Verlierer”.
Keine “Patentlösung” konnte SPD-Chef Herbert Protze liefern. Aber eines war für ihn klar: “Einen Kauf, ohne dass der Verbleib des CF geklärt ist, gibt es für uns nicht”, erklärte er unter lautem Beifall von den Zuschauerrängen. Für ihn habe diese Einrichtung in Böblingen die Kirche erst sympathisch gemacht, gestand er, der heutige Tag beweise auch, dass der Club Forum mehr als die fünf Leute seien, wie immer vorgegaukelt werde.
Erst eine Lösung, die den Fortbestand des CF sichert, dann erst eine Nutzung beschließen, lautete auch die Haltung der Grünen. Fraktionschef Ulrich Schwarz machte sich ähnlich wie Helmut Kurtz (FDP) für einen Runden Tisch, der Verwaltung, Kirche und Club Forum zusammenbringt, stark, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden. Die Stadt habe eine “verdammte Pflicht und Schuldigkeit”, diese Form der Jugendarbeit zu sichern, machte Kurtz klar. “Kauf ohne Vorbedingungen” lautete deshalb seine Forderung. Ein Antrag, der ebensowenig eine Mehrheit fand, wie die Versuche von SPD und Grünen, eine Vertagung zu erreichen, oder der Vorschlag, das Gebäude zu kaufen und vorerst eine Nutzung für Kinderbetreuung oder die Jugendarbeit vorzusehen.
Die beschlossene Kaufabsicht bis Mitte 2010 liefert nun alle Beteiligten dem Druck der Ungewissheit aus: Die Kirche weiß nicht, ob letztendlich Geld fließt und der CF ist nicht sicher, ob er seinen Stützpunkt endgültig räumen muss. Das Zepter haben somit Oberbürgermeister und Gemeinderat weiterhin in der Hand. Je nach Ergebnis der Verhandlungen und Verhalten der Beteiligten kann die Kaufoption verwirklicht werden oder nicht. “Wir werden uns einbringen”, versprach Alexander Vogelgsang nach der Abstimmung.