Gratuliere Böblingen – es ist vollbracht. 30 Jahre Jugendarbeit. Verramscht, verschachert, begraben.
Die Vergangenheit und Zukunft von vielen Jugendlichen wurde platt gemacht. Was 80 000 Jugendliche, 4000 Partys, 2500 Konzerte, 800 ehrenamtliche Helfer (1600 Eltern), 500 Musikbands, 400 Podiumsdiskussionsgästen, 100 Sparbeschlüsse, 80 Ausstellungen, 30 Open Airs und 23 Offene Tage, acht Jugendreferenten, zwei Nachbarn und eine selbstdurchgeführte Renovierung nicht geschafft haben, ist 14 CDU-Gemeinderäten, 10 Freien Wählern und Dekan Bernd Liebendörfer gelungen: die ehrenamtliche Jugendarbeit des Club Forum im Haus der Jugend zu zerstören. Gratulation dafür.
Was das für junge Menschen in Böblingen bedeutet, wird sich wohl erst die nächsten Jahre zeigen. Alleine die geleisteten Stunden an ehrenamtlicher Arbeit, die seit dem Bestehen des Haus der Jugend geleistet wurden, übersteigt den Kaufpreis bei weitem. Und das selbst, wenn wir den Stundenlohn eines Gefängnisinsassen nehmen (der bei circa 1,70 Euro liegt). Obwohl evangelische Kirche und Stadt 30 Jahre lang von der offenen Jugendarbeit des Club Forums profitiert haben, gibt es anstatt eines Danks eine schallende Ohrfeige.
Die Quittung für die Entscheidung werden hoffentlich alle Beteiligten in einigen Jahren spüren: CDU und Freie Wähler durch weniger Wähler, denn beide haben klar gezeigt, dass sie nicht für eine Politik stehen, in der eine sinnvolle Freizeitgestaltung von jungen Menschen im Mittelpunkt steht. Und Dekan Liebendörfer wird merken, dass seine Feste Burg irgendwann nur noch eine „Alte“ Burg sein wird. Denn wie soll eine Kirche überleben, wenn es keinen Nachwuchs gibt. Und wie will er sein Prestigeobjekt „Alte“ Burg finanzieren, wenn seine Kirche leer ist und keiner mehr Kirchensteuer zahlt? Mit meinem Austritt können Sie fest rechnen – das Geld spende ich in Zukunft lieber direkt an Organisationen, die in meinen Augen mehr für junge Menschen tun als Dekan Liebendörfer.
Und auch die Stadt wird irgendwann merken, wie wichtig aktive Jugendarbeit ist. Nämlich dann, wenn viele dreijährige KiTa-Besucher älter sind und es keinen Ort mehr in Böblingen gibt, an dem sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten und verbringen können.
Dann wird man wieder nach schnellen Entscheidungen suchen. Und erst dann wird man feststellen, dass man 30 Jahre offene Jugendarbeit zwar schnell kaputt machen kann, sie aufzubauen, aber wieder mindestens 30 Jahre dauern wird.
Gratuliere Böblingen – der Letzte macht das Licht aus.
Benjamin Koblowsky,
Stuttgart
This entry was posted on Dienstag, Dezember 16th, 2008 at 5:37 and is filed under Stimmen/Leserbriefe für das Forum. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.