Die Forumler sind stocksauer
Pläne, das “Haus der Jugend” zu verkaufen, schocken den Club
Böblingen - Morgen Abend berät der Gesamtkirchengemeinderat über die Zukunft des “Hauses der Jugend” im Paul-Gerhardt-Weg 8. Die Jugendlichen vom “Club Forum”, der dort residiert, laufen Sturm gegen den möglichen Verkauf. (VON ROBERT KRÜLLE)
Das Gebäude am Beginn der Berliner Straße ist unter “Haus der Jugend” kaum in Böblingen bekannt, die meisten vor allem Jüngere kennen das Haus einfach als “’s Forum”. Seit fast 30 Jahren werkelt dort der Jugendclub des Evangelischen Jugendwerks, Jugendliche organisieren in Eigenregie Partys, Konzerte, Diskussionen und vieles mehr. Jetzt steht bei der evangelischen Kirche der Verkauf der Immobilie zur Diskussion - die Stadt würde dort gerne ab 2011 eine Kindertagesstätte betreiben. Mit dem Erlös will die Kirche die Sanierung oder gar den Neubau der “Festen Burg” in der Sindelfinger Straße finanzieren.
Die Veröffentlichung dieser Pläne in der Ausgabe der KREISZEITUNG vom 25. Juni traf die Forumler wie ein Schlag ins Gesicht. “Wir haben nichts davon gewusst”, sagt Martin Wastian, “und sind total enttäuscht.” Der 24-Jährige ist einer aus dem harten Kern, der derzeit im Club Forum die Strippen zieht und mitten in den Planungen für das traditionelle Open Air am 12. und 13. September steckt. “Dass wir aus der Zeitung von den Plänen erfahren müssen, ist echt hart”, sagt Wastian, “entweder hatte man nicht den Mut, mit uns zu sprechen, oder man will uns einfach nicht mehr haben.”
Spontan riefen die Forumler am Samstag eine Krisensitzung zusammen und beratschlagten die Situation. Das Fazit ist klar: “Wir fordern, dass das Haus erhalten bleibt!”, sagt Wastian. Die aktuell knapp 15-köpfige Gruppe will die Sitzung des Kirchengemeinderats morgen Abend in der “Festen Burg” besuchen und ihre Sicht der Dinge darlegen. “Wir werden versuchen, Redezeit zu bekommen”, sagt Wastian. Schließlich haben die Forumler einiges klarzustellen.
In Zukunft ebenfalls in der “Festen Burg” untergebracht zu sein, können sich die 15- bis 25-Jährigen nicht vorstellen. “Wir haben dort sicher keine vergleichbaren Räumlichkeiten, und gerade die Veranstaltungsräume sind wichtig”, sagt Wastian. Außerdem sei die Identität des “Club Forum” untrennbar mit dem Paul-Gerhardt-Weg 8 verbunden. “Das kann man nicht einfach woanders hin verpflanzen.”
Deutlich betonen die Forumler auch, dass nirgendwo sonst es mehr die Möglichkeit für Jugendliche gebe, in Eigenverantwortung Veranstaltungen zu organisieren. Außerdem sei man gerade wochenends häufig Anlaufpunkt für Jugendliche. “Da die Jugendhäuser inzwischen samstags geschlossen haben, bleibt dann halt nur, sich am See oder so zu treffen”, betont Wastian, “dann darf sich aber auch niemand mehr über Jugendliche aufregen, die sich dort aufhalten.”
Wie selbstverständlich trägt der Jugendclub im Paul-Gerhardt-Weg mit seinen Veranstaltungen zum jugendkulturellen Leben in der Stadt bei. “Und das inzwischen fast ohne finanzielle Unterstützung.” Den letzten Open-Air-Zuschuss von der Stadt habe es 2004 gegeben, aus dem Kulturetat der Kirche werden Reparaturen im Gebäude gezahlt. Große Unterstützung erfährt der “Club Forum” vom Förderverein, in dem sich ehemalige Mitglieder zusammengetan haben. “Der Beitrag der 30 Mitglieder und Spenden sind unser finanzielles Fundament”, erläutert Martian Wastian.
Als Argument für den Verkauf des Hauses im Paul-Gerhardt-Weg nannte Dekan Bernd Liebendörfer auch dessen maroden Zustand, vor allem das Dach sei angeschlagen, für eine Sanierung aber kein Geld da. “Wir sitzen ja unter dem Dach”, entgegnet Wastian, “reingeregnet hat es noch nicht.” Bei einer fälligen Sanierung verweist der 24-Jährige auf das Engagement des “Club Forum” in den vergangenen Jahren. “2001 haben wir bei einem Wettbewerb der Handwerkskammer gewonnen, die uns dann das Erdgeschoss renoviert hat”, erzählt Wastian, “das Material hat der Rotary-Club mit 50 000 DM finanziert.” Zudem habe man des Öfteren in Eigenleistung die Räume renoviert, in den 90er Jahren gar die Disco im Keller selbst eingerichtet. “Wir bieten da gerne unser Engagement an.”
Dass der Jugendclub zuletzt keine goldenen Zeiten erlebt hat, muss Wastian allerdings zugeben - der Nachwuchs macht sich rar, und bei Abi-Partys im Frühjahr gab es mächtig Ärger mit der Polizei. “Wir haben zurzeit sicher eine der größten Krisen bisher”, gesteht der 24-Jährige, “aber die Forumler haben sich schon zu anderen schwierigen Zeiten wieder aufgerappelt.” Das aktuelle Team will jedenfalls nicht so einfach hinnehmen, dass die Zukunft des “Club Foum” an ihm vorbei entschieden wird. Auch der Böblinger Jugendgemeinderat (JGR) ist bereits aktiv geworden und hat einen Brief an die Mitglieder des Gesamtkirchengemeinderates geschrieben und sich für den Erhalt des “Club Forums” ausgesprochen. “Diese einzigartige Institution in Böblingen darf nicht verloren gehen”, sagt der JGR-Vorsitzende Simon J. Behm. Der Club müsse bei den zu treffenden Entscheidungen berücksichtigt und die Meinung der Jugendlichen gehört werden. Außerdem fordert der JGR auch das Engagement der Stadt: “Dass das Forum der Böblinger Jugend erhalten bleibt, dafür muss sich auch die Stadtverwaltung einsetzen”, so Behm.