“Für uns gibt es keine wirkliche Alternative”
Böblingen - Wohin mit dem Club Forum? Seit die evangelische Gesamtkirchengemeinde plant, das Haus der Jugend im Paul-Gerhardt-Weg zu verkaufen, bangen die Jugendkulturmacher um ihre Heimat. Die KREISZEITUNG hat sich mit einigen Forum-Vertretern unterhalten.
Der Club Forum ist 1979 aus einer Konfirmationsgruppe hervorgegangen und macht seither weitgehend selbstbestimmt Jugendkulturarbeit in der Stadt. Die wichtigsten Veranstaltungen sind die Offenen Tage, das Open Air sowie Podiumsdiskussionen und politische Informationsveranstaltungen. Der harte Kern besteht aus knapp zehn jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren.
KRZ: Alle reden von optimalen Räumlichkeiten im Haus der Jugend. Was ist dort so erhaltenswert?
Pascal Angladagis: Wir haben hier in einem Gebäude einen großen Veranstaltungsraum und einen Disco-Keller, die vorwiegend von Jugendlichen und für Privat-Partys genutzt werden. Etwas ähnliches gibt’s in der Stadt nicht mehr.
Pia Radtke: Hinzu kommt, dass wir uns hier austoben können, gestalten können, wie wir wollen. Wenn beispielsweise eine Wand nicht mehr weiß sein soll, dann hat da niemand ein Problem, wenn wir sie umpinseln, sie mit Graffiti versehen oder auch für die “Offenen Tage” komplette Räume umbauen.
Julian Richter: Das macht auch den Reiz an dieser Arbeit aus. Ganz zu schweigen, von dem vielen Aufwand, den wir hier reingesteckt haben. Da hängt viel Herzblut dran.
Sven Reisch: Letztendlich steht dieses Haus auch für den Club Forum und seine Jugendkulturarbeit. Unsere Veranstaltungen waren schon immer verbunden mit diesem Ort. Hier ist alles an einer Stelle möglich - von der kleinen Party bis zum großen Open-Air-Konzert.
Habt ihr euch nach Alternativen umgeguckt?
Julian Richter: Wir haben uns die “Feste Burg”, wohin uns die Gesamtkirchengemeinde ja umsiedeln möchte, angeschaut. Da wir aber bisher keine Pläne erhalten haben, können wir zu dem dortigen Raumprogramm auch wenig sagen. Sonst hat sich keine wirkliche Alternative aufgetan. Das Problem ist, dass wir entsprechende Räume inklusive Warmmiete benötigen, sonst ist unsere Arbeit nicht möglich.
Sven Reisch: Uns ist kein Ort eingefallen, an dem diese Arbeit so weiterzuführen wäre wie bisher. Klar ist, dass es ohne entsprechende Gruppenräume keinen Club Forum mehr geben wird. Denn nur noch Treff einiger Leute, die auf gleicher Wellenlänge sind, zu sein, ist uns zu wenig.
Wie wäre es mit dem Waldheim Tannenberg, das sich ja im Besitz der Kirche befindet?
Julian Richter: Dort wäre schon genügend Platz. Aber das ist keine wirkliche Alternative, weil es zu weit weg vom Stadtzentrum liegt. Das wirkt nicht magnetisierend auf die Jugendlichen.
Melanie Pietsch: Viele unserer Besucher kommen von der Schönbuchlichtung. Wenn die in der Schönbuchbahn sitzen, würden die vermutlich gleich nach Stuttgart weiterfahren, anstatt mit dem Bus Richtung Tannenberg zu gelangen.
Gibt es Angebote für Räumlichkeiten?
Pia Radtke: Bisher nicht, außer dem gut gemeinten Vorschlag, künftig Open-Air-Konzerte im Baumoval zu veranstalten.
Von der Kirche hört man, dass rund 300 000 Euro benötigt werden, um das Haus der Jugend zu sanieren. Viel Geld, um einen Jugendclub am Leben zu erhalten, der schon bessere Jahre gesehen hat.
Julian Richter: Wir wollen vor dieser Situation nicht die Augen verschließen. Aber brauchen wir für die Kirche in der Stadt ein so großes Haus wie die “Feste Burg”? In diese Richtung sollte man sich unserer Meinung nach Gedanken machen. Schließlich wurde das Haus der Jugend erst im Jahr 2001 teilsaniert mit beachtlichen Eigenleistungen durch den Club Forum.
Markus Schweikert: Das Haus der Jugend für die “Feste Burg” zu opfern, wäre nur die einfachste Lösung.
Sven Reisch: Zum Thema “bessere Jahre”: Die Talsohle im Club Forum ist erreicht. Mit der Diskussion um das Haus der Jugend haben wir wieder Feuer gefangen und einige neue Mitglieder gewonnen.
Wie ist es derzeit um das Verhältnis zwischen Gesamtkirche und Club Forum bestellt?
Sven Reisch: Wir fühlen uns nicht ernst genommen und übergangen.
Markus Schweikert: Es ist schade, dass die Gesamtkirche nicht früher an uns rangegangen ist, um das Problem gemeinsam zu lösen.
Julian Richter: Wir wären schließlich die letzten gewesen, die sich nicht Gedanken gemacht hätten, wie Geld für eine Sanierung beizubringen ist. Diese Kommunikation ist auch ein Zeichen, wie unsere Arbeit in der Gesamtkirche gesehen wird. Das Problem ist auch, dass der Dekan enorm wenig über uns weiß.
Pascal Angladagis: . . . und sich nie die Mühe gemacht hat, uns kennenzulernen.
Markus Schweikert: Nur so ist die Idee, uns woanders hinzustecken, zu erklären.
Sven Reisch: Ich habe das Gefühl, dass man bei der Gesamtkirche gedacht hat, man kann in der derzeitigen Situation den Club Forum ganz gut abwickeln und war dann geschockt von den Reaktionen.
Gibt’s Gespräche?
Julian Richter: Es gibt Briefe, aber bisher keine Gespräche zu diesem Thema. Es ist uns ein großes Anliegen, dass uns die Kirchenleitung neben dem Arbeitskreis Jugend als gleichwertigen Gesprächspartner anerkennt.
Pascal Angladagis: Wir überlegen uns aber, den Gesamtkirchengemeinderat einmal einzuladen.
Wie geht es weiter?
Sven Reisch: Das ist schwierig einzuschätzen.
Pascal Angladagis: Wir werden auf jeden Fall kämpfen.