Gemeinsam mit knapp 100 anderen Jugendlichen habe ich die Sitzung des Gemeinderates verfolgt, in der über den Verkauf des Hauses der Jugend beraten wurde. Die Entscheidung und die Art und Weise wie diese zustande kam hat mich maßlos enttäuscht. Nach vielen aktiven Jahren bei der SVB, als Jugendvertreterin der Stadtkapelle Böblingen und nach über sechs Jahren ehrenamtlicher Jugendarbeit im evangelischen Jugendwerk (als Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Jugend und im Club Forum), war es für mich wie ein Schlag ins Gesicht.
Hilflos musste ich von der Empore des Sitzungssaales dabei zusehen, wie das langjährige Engagement, das wir geleistet haben, in ein paar Minuten zunichte gemacht wurde. Daran ändern alle noch so schön klingenden Phrasen der Politiker überhaupt nichts. Wenn die Vertreter von CDU und Freien Wählern durch ein einfaches Heben ihrer Hand den Ausverkauf der Institution beschließen, die sie eben noch als großartig, unentbehrlich und erhaltenswert in den höchsten Tönen lobten, verlieren ihre geschwungenen Reden für mich jede Glaubwürdigkeit.
Nachdem Kirche und Stadt so destruktiv in unsere Arbeit eingegriffen haben, tue ich mich im Moment wirklich schwer, mich von diesem Niederschlag aufzuraffen und mein Engagement fortzusetzen. Als Ehrenamtliche freue ich mich natürlich über eine Würdigung der Arbeit, die ich in meiner Freizeit und ohne Entlohnung leiste. Aber was ich nicht brauche, sind leere Phrasen und aufmunternde Schulterklopfer.
Manche der Bürgervertreter meinen, die Entscheidung zum Verkauf könne auch ein Lehrstück für uns Jugendliche sein, man „bekommt ja nicht immer was man will“. Aber muss man denn den Ehrenamtlichen das Umfeld wegnehmen, in dem sie ihre Freizeit für einen guten Zweck opfern?
Pia Radtke, Böblingen