By club_forum | Dezember 25, 2008 - 8:27 - Posted in Stimmen/Leserbriefe für das Forum

Gemeinsam mit knapp 100 anderen Jugendlichen habe ich die Sitzung des Gemeinderates verfolgt, in der über den Verkauf des Hauses der Jugend beraten wurde. Die Entscheidung und die Art und Weise wie diese zustande kam hat mich maßlos enttäuscht. Nach vielen aktiven Jahren bei der SVB, als Jugendvertreterin der Stadtkapelle Böblingen und nach über sechs Jahren ehrenamtlicher Jugendarbeit im evangelischen Jugendwerk (als Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Jugend und im Club Forum), war es für mich wie ein Schlag ins Gesicht.

Hilflos musste ich von der Empore des Sitzungssaales dabei zusehen, wie das langjährige Engagement, das wir geleistet haben, in ein paar Minuten zunichte gemacht wurde. Daran ändern alle noch so schön klingenden Phrasen der Politiker überhaupt nichts. Wenn die Vertreter von CDU und Freien Wählern durch ein einfaches Heben ihrer Hand den Ausverkauf der Institution beschließen, die sie eben noch als großartig, unentbehrlich und erhaltenswert in den höchsten Tönen lobten, verlieren ihre geschwungenen Reden für mich jede Glaubwürdigkeit.

Nachdem Kirche und Stadt so destruktiv in unsere Arbeit eingegriffen haben, tue ich mich im Moment wirklich schwer, mich von diesem Niederschlag aufzuraffen und mein Engagement fortzusetzen. Als Ehrenamtliche freue ich mich natürlich über eine Würdigung der Arbeit, die ich in meiner Freizeit und ohne Entlohnung leiste. Aber was ich nicht brauche, sind leere Phrasen und aufmunternde Schulterklopfer.

Manche der Bürgervertreter meinen, die Entscheidung zum Verkauf könne auch ein Lehrstück für uns Jugendliche sein, man „bekommt ja nicht immer was man will“. Aber muss man denn den Ehrenamtlichen das Umfeld wegnehmen, in dem sie ihre Freizeit für einen guten Zweck opfern?

Pia Radtke, Böblingen

By club_forum | Dezember 16, 2008 - 6:55 - Posted in Kreiszeitung, Presse

Zukunft des Club Forum ist ungewiss

Böblingen - Am Ende hat aller Protest nichts geholfen. Obwohl sich rund 70 Unterstützer gestern vor und im Rathaus mit dem Club Forum solidarisch zeigten, muss die Jugendeinrichtung ihr Domizil im Paul-Gerhardt-Weg wahrscheinlich spätestens in 18 Monaten räumen. Der Gemeinderat beschloss eine Kaufabsicht für das Gebäude, um es für Kinderbetreuung zu nutzen.

VON MICHAEL STÜRM

Sprechchöre und “Forum, Forum”-Rufe auf dem Marktplatz boten das Vorspiel zur gestrigen Gemeinderatssitzung. Ein Auftakt, der den meisten Bürgervertretern, die sich von der Tiefgarage dem Ratssaal unterirdisch näherten, verborgen blieb. Nicht verborgen bleiben sollte hingegen OB Alexander Vogelgsang, wie viele Menschen sich einen Fortbestand des Club Forum (CF) an seinem angestammten Ort wünschen: 2023 Unterschriften überreichte Forumler Sven Reisch dem Stadtoberhaupt - inklusive einem T-Shirt, auf dem sich die Zahl aufgepinselt befand.

Dass er schon einfachere Themen zu debattieren hatte, gestand Vogelgsang, als er dann den Tagesordnungspunkt aufrief und viele Augen der Gemeinderäte nochmals die volle Zuhörertribüne ins Visier nahmen. Der OB sprach von berechtigten Anliegen aller Seiten und seinem Ziel, alle diese Bedürfnisse “unter einen Hut” zu bekommen, bezeichnete das Konzept, das der CF zu seiner Rettung ausgearbeitet hatte, als “leider keinen Ausweg”, lobte den “großen Beitrag” der kirchlichen Jugendkulturarbeiter für Böblingen, akzeptierte den Verkaufsdruck der Kirche und garantierte, dass er sich “als Person” in Lösungsgespräche einbringen wolle. Allerdings gab’s aus dem OB-Mund auch eine klare Ansage an den Gemeinderat. “Die Verwaltung braucht eine Segelanweisung”, betonte er. Die beinhalte für ihn das, was er zur Abstimmung vorschlug: Kauf des Gebäudes bis zum 30. Juni 2010 und eine damit verknüpfte Nutzung als Ort der Kinderbetreuung.

“Kein Symbol des Jugendprotestes schaffen”

Rund 90 Minuten und vier abgestimmte Anträge später war der OB dann auch am Ziel angekommen. Nach leidenschaftlicher Debatte, die vom Dilemma widerstrebender Interessen geprägt war, sicherten nahezu geschlossene Reihen in der CDU und bei den Freien Wählern der Verwaltungsposition eine deutliche Mehrheit.

Hier eine Gesamtkirchengemeinde, die dringend Geld und Planungssicherheit für die Sanierung ihres Gemeindehauses benötigt, dort eine Institution, die seit 30 Jahren einen bunten, aktiven und kreativen Tupfer in der Böblinger Jugendszene bietet: Die Zerrissenheit war sämtlichen Fraktionschefs anzumerken, als sie sich zur Sache äußerten. Hubert Kless (CDU) war dann jedoch die Notsituation der Kirche näher als der Fortbestand eines Hauses, das nur “20 bis 40 Tage im Jahr” genutzt sei. Genau wie er appellierte auch sein Freie-Wähler-Kollege Rainer Kuppinger an alle Beteiligten, sich zu bewegen und nach einer Lösung zu suchen, wenn das Haus im Sinne seiner Fraktion in Zukunft für Kinderbetreuung genutzt werde. Kuppingers größte Sorge: “Wir dürfen aus dem Club Forum kein Symbol für Jugendprotest machen, sonst gibt es nur Verlierer”.

Keine “Patentlösung” konnte SPD-Chef Herbert Protze liefern. Aber eines war für ihn klar: “Einen Kauf, ohne dass der Verbleib des CF geklärt ist, gibt es für uns nicht”, erklärte er unter lautem Beifall von den Zuschauerrängen. Für ihn habe diese Einrichtung in Böblingen die Kirche erst sympathisch gemacht, gestand er, der heutige Tag beweise auch, dass der Club Forum mehr als die fünf Leute seien, wie immer vorgegaukelt werde.

Erst eine Lösung, die den Fortbestand des CF sichert, dann erst eine Nutzung beschließen, lautete auch die Haltung der Grünen. Fraktionschef Ulrich Schwarz machte sich ähnlich wie Helmut Kurtz (FDP) für einen Runden Tisch, der Verwaltung, Kirche und Club Forum zusammenbringt, stark, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden. Die Stadt habe eine “verdammte Pflicht und Schuldigkeit”, diese Form der Jugendarbeit zu sichern, machte Kurtz klar. “Kauf ohne Vorbedingungen” lautete deshalb seine Forderung. Ein Antrag, der ebensowenig eine Mehrheit fand, wie die Versuche von SPD und Grünen, eine Vertagung zu erreichen, oder der Vorschlag, das Gebäude zu kaufen und vorerst eine Nutzung für Kinderbetreuung oder die Jugendarbeit vorzusehen.

Die beschlossene Kaufabsicht bis Mitte 2010 liefert nun alle Beteiligten dem Druck der Ungewissheit aus: Die Kirche weiß nicht, ob letztendlich Geld fließt und der CF ist nicht sicher, ob er seinen Stützpunkt endgültig räumen muss. Das Zepter haben somit Oberbürgermeister und Gemeinderat weiterhin in der Hand. Je nach Ergebnis der Verhandlungen und Verhalten der Beteiligten kann die Kaufoption verwirklicht werden oder nicht. “Wir werden uns einbringen”, versprach Alexander Vogelgsang nach der Abstimmung.

Gratuliere Böblingen – es ist vollbracht. 30 Jahre Jugendarbeit. Verramscht, verschachert, begraben.
Die Vergangenheit und Zukunft von vielen Jugendlichen wurde platt gemacht. Was 80 000 Jugendliche, 4000 Partys, 2500 Konzerte, 800 ehrenamtliche Helfer (1600 Eltern), 500 Musikbands, 400 Podiumsdiskussionsgästen, 100 Sparbeschlüsse, 80 Ausstellungen, 30 Open Airs und 23 Offene Tage, acht Jugendreferenten, zwei Nachbarn und eine selbstdurchgeführte Renovierung nicht geschafft haben, ist 14 CDU-Gemeinderäten, 10 Freien Wählern und Dekan Bernd Liebendörfer gelungen: die ehrenamtliche Jugendarbeit des Club Forum im Haus der Jugend zu zerstören. Gratulation dafür.
Was das für junge Menschen in Böblingen bedeutet, wird sich wohl erst die nächsten Jahre zeigen. Alleine die geleisteten Stunden an ehrenamtlicher Arbeit, die seit dem Bestehen des Haus der Jugend geleistet wurden, übersteigt den Kaufpreis bei weitem. Und das selbst, wenn wir den Stundenlohn eines Gefängnisinsassen nehmen (der bei circa 1,70 Euro liegt). Obwohl evangelische Kirche und Stadt 30 Jahre lang von der offenen Jugendarbeit des Club Forums profitiert haben, gibt es anstatt eines Danks eine schallende Ohrfeige.
Die Quittung für die Entscheidung werden hoffentlich alle Beteiligten in einigen Jahren spüren: CDU und Freie Wähler durch weniger Wähler, denn beide haben klar gezeigt, dass sie nicht für eine Politik stehen, in der eine sinnvolle Freizeitgestaltung von jungen Menschen im Mittelpunkt steht. Und Dekan Liebendörfer wird merken, dass seine Feste Burg irgendwann nur noch eine „Alte“ Burg sein wird. Denn wie soll eine Kirche überleben, wenn es keinen Nachwuchs gibt. Und wie will er sein Prestigeobjekt „Alte“ Burg finanzieren, wenn seine Kirche leer ist und keiner mehr Kirchensteuer zahlt? Mit meinem Austritt können Sie fest rechnen – das Geld spende ich in Zukunft lieber direkt an Organisationen, die in meinen Augen mehr für junge Menschen tun als Dekan Liebendörfer.
Und auch die Stadt wird irgendwann merken, wie wichtig aktive Jugendarbeit ist. Nämlich dann, wenn viele dreijährige KiTa-Besucher älter sind und es keinen Ort mehr in Böblingen gibt, an dem sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten und verbringen können.
Dann wird man wieder nach schnellen Entscheidungen suchen. Und erst dann wird man feststellen, dass man 30 Jahre offene Jugendarbeit zwar schnell kaputt machen kann, sie aufzubauen, aber wieder mindestens 30 Jahre dauern wird.
Gratuliere Böblingen – der Letzte macht das Licht aus.

Benjamin Koblowsky,
Stuttgart

Sehr verehrte Herren Schlipsträger, erinnern wir uns zurück an das Jahr 2003. Böblingen feierte 750-jähriges Jubiläum mit dem Highlight des Open-Air-Konzertes auf dem Marktplatz. Die Masse feierte. Und sicherlich freuten sich auch Sie über die Anzahl von Leuten, die Geld in Böblingens Kassen spülten – schließlich alles potenzielle Steuerzahler, die gerne hier leben.
Mittlerweile sieht das alles leider anders aus. Böblingens Jugendkultur stirbt. Der angedachte Abriss des Hauses der Jugend und der Rausschmiss des Club Forums, welcher über 30 Jahre lang hervorragende Arbeit im Jugendbereich geleistet hat, ist schlichtweg eine Katastrophe. All das will man jetzt aufgeben. In Zeiten wie diesen, in denen man in den Medien von „Flatrate saufen“, gewaltbereiten Jugendlichen und der „Null-Bock Generation“ lesen und hören muss, wird also in Böblingen ehrliche, effiziente und hervorragende Jugendarbeit einfach so aufgegeben. Jugendarbeit, welche durch Events geprägt ist, wie sie hier in der Umgebung wohl einmalig sind, und einmalig bleiben werden.
Stellt sich die Frage nach der Zielsetzung der Stadt Böblingen. Wollen wir wirklich in naher Zukunft eine Stadt, die nicht mehr als jugendfreundlich gilt, weil schlichtweg die Einrichtungen fehlen, in denen Jugendliche sich aufhalten können? Wo sich Rentner abends nicht mehr auf die Straße trauen, weil Jugendliche, die keine Anlaufstelle haben, auf der Straße herumlungern? Ich selbst bin über eine Abiparty des Club Forum zum evangelischen Jugendwerk, zum Waldheim Tannenberg und zum Arbeitskreis Jugend gekommen, und ich kann mit Sicherheit sagen, gäbe es diesen Platz nicht, wäre ich dazu nie gekommen. Es ist ein trauriger Gedanke, dass ich meine Kinder später nicht nachts um eins vom Forum nach einer Party abholen muss – eben allein aus dem Grund, weil es kein Forum mehr gibt. Möglicherweise werden unsere Kinder nach Stuttgart ausweichen müssen.
Der Club Forum hat ein wirklich tragbares Konzept für beide Seiten entworfen. Allein das zeigt doch, dass die Forumler an ihrem Haus der Jugend hängen, leider scheinen Sie zu blauäugig sein, um zu sehen, wie viel Kraft und wie viel Engagement dahinter steckt. Hauptsache, der Bürger zahlt brav seine Steuergelder. Über die Zukunft der Stadt, und die Zukunft der Jugendlichen macht sich keiner Gedanken. Da baut man lieber für etliche Hunderttausende einen neuen Kindergarten, wir haben ja sonst keine. Armes Böblingen!
Meine Herren Schlipsträger, kann das wirklich Ihr ernst sein?

Dominik Rothfuss,
Leitungsteam Waldheim Tannenberg

Ich muss gestehen, dass ich mich ob der Diskussion um den Club Forum wundere.
In Zeiten sich lichtender Kirchenbänke, zunehmender Klagen über lustlose und verdrossene Jugendliche und vor dem Hintergrund stets gegenwärtiger Überalterung unserer Stadt sollte man doch meinen, auch wir nicht mehr ganz jugendlichen Bürger/innen wüssten, wie wertvoll solch eine Einrichtung ist.
Dass nun jedoch die Existenz dieser Böblinger Institution bedroht ist, kommt in meinen Augen dem gleich, was wir in diesen Tagen aus den Finanzorganen der Weltwirtschaft vernehmen: eine Bankrotterklärung!
Die Entscheidungsträger in dieser Sache müssen doch begreifen, dass der Schaden, den eine Einstellung des Betriebs im Club Forum hätte, im Nachhinein nicht zu beheben wäre. Man sollte daher unter keinen Umständen leichtfertig die Chance vertun, gemeinsam mit den Jugendlichen des Clubs Forum die Zukunft ihrer einzigartigen Einrichtung zu bewahren.
Tun wir das nicht, wird unsere Stadt bald ganz schön alt aussehen.

Michael Pietsch
Böblingen

Der Gemeinderat wird heute über das Ende des Club Forum beschließen – zugunsten einer Kita. Schade, dass beide Gruppen gegeneinander ab-/aufgewogen werden. Es haben beide einen Platz in unserer Gesellschaft verdient. Ich habe mir Alternativen für die Jugendlichen des CF überlegt . . . mir fallen keine ein! Die Jugendlichen sind in Böblingen schon seit ich hier wohne (25 Jahre) immer benachteiligt gewesen, weil es keinen eigenen Platz für sie im Sinne eines CF gab/gibt. Daran hat sich nichts geändert. Und ich wundere mich, warum der Jugendgemeinderat sich hierzu nicht äußert oder auch dafür einsetzt.
Zum Glück hatten meine Jungs damals das Club Forum, eine Stätte, wo ich sie immer gut aufgehoben wusste und mir keine Sorgen machen musste. Noch heute bin ich so dankbar für diese Einrichtung. Schade, dass es meine Tochter vielleicht nicht mehr erleben darf, solch eine Stätte für Jugendliche zu haben. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft der Jugendlichen in BB. Wo sollen sie hin? Wo können sie sich ungestört treffen und gegenseitig Halt geben in einer Welt, die immer mehr und immer höhere Anforderungen an sie stellt – meist ohne Rückzugsmöglichkeiten. Herr Vogelgsang, bitte geben Sie uns eine Antwort!

Maria Dries-Koblowsky,
Böblingen

Von offizieller Seite hört man immer wieder, dass der evangelischen Kirche das Geld ausgeht, was schwindende Mitgliedszahlen auch teilweise glaubwürdig untermauern. Kontraindikativ sind nun jedoch die ständig wiederkehrenden Meldungen von Rekordkirchensteuereinnahmen der Württembergischen evangelischen Landeskirche. Der geneigte Leser fragt sich doch da: Was passiert mit meinem Geld?!
Eines ist offensichtlich; das Geld fließt nicht in die Jugendarbeit, zumindest nicht in Böblingen. Nun steht, so will es der autokratisch anmutende Dekan, die evangelische Jugendarbeit in Böblingen vor dem beinahen Ausverkauf. Das wenige Angebot was bleibt, kann man nur in wenigen Fällen als kulturell bezeichnen.
Es ist jedoch so, dass Jugendliche immer auch potenzielle Steuerzahler sind und mit einer solch drastischen Einsparung würden in nicht all zu ferner Zukunft wohl einige Kirchensteuerzahler austreten. Somit würde der Mitgliederschwund, der schon seit einigen Jahren in der evangelischen Kirche in Böblingen grassiert, aber auch der Abfall der Kirchensteuereinnahmen weiter drastisch zunehmen. Man sollte daher überlegen, ob es sinnvoll ist, drei Generationen gegeneinander auszuspielen und das, wo ein großer Teil der Bevölkerung hinter der Arbeit des Club Forum steht.
Aber nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Stadt wäre die Schließung des Jugendclubs ein enormer Verlust in vielerlei Hinsicht. Eine Kreisstadt, muss ihren Jugendlichen mehr bieten als nur ein mittelmäßig laufendes Jugendhaus, das an Wochenenden generell geschlossen hat. Eine Kreisstadt muss ein breit gefächertes Angebot an Jugendarbeit bereitstellen, unterstützen und fördern; dies ist im Übrigen auch im Jugendplan der Stadt festgelegt. Ist dies nicht der Fall, so gehen Jugendliche abends nach Stuttgart und verlieren somit den Bezug zu ihrer Heimatstadt. Die Böblinger Jugend darf nicht auch noch das letzte Identifikationsobjekt zu ihrer Stadt verlieren.
Die Verantwortlichen, in Form von Dekan, Gemeinderat und Oberbürgermeister, sollten sich diese Faktoren einmal detailliert vergegenwärtigen.

Johannes Richter,
Böblingen

Als Eltern und als Lehrkräfte an Böblinger Schulen möchten wir uns ganz entschieden für die Erhaltung des „Club Forum“ im Paul-Gerhardt-Weg aussprechen. Es handelt sich um ein einzigartig erfolgreiches Beispiel offener Jugendarbeit, das nicht nur mit seinen legendären „Offenen Tagen“ und den Open-Air-Konzerten Böblingens Jugendarbeit ganz wesentlich bereichert und prägt.
Im „Club Forum“ gestalten Jugendliche seit vielen Jahren Freizeitangebote für Jugendliche, sie zeigen vorbildliches ehrenamtliches Engagement und dies sollte auf jeden Fall erhalten werden. Als Eltern sind wir dankbar für die Partizipationsmöglichkeiten und Angebote, die unsere eigenen Kinder im „Club Forum“ in Anspruch nehmen konnten und noch können.
Es ist unserer Meinung nach Aufgabe der Stadt Böblingen, hier in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde eine Lösung zu finden, welche die Weiterexistenz des Forums ermöglicht. Der Kirchengemeinde muss an dieser Stelle Dank gesagt werden, schließlich hat sie sich lange Zeit in einem Bereich engagiert, der vornehmlich zu den Aufgaben der Kommune gehört. Dass der besondere Charakter und die Atmosphäre des „Club Forum“ auch mit der kirchlichen Trägerschaft zusammenhängen, muss deutlich betont werden.

Dr. Günther Wahl und Kornelia Orlik-Wahl,
Böblingen

Der erste Jugendgemeinderat (2006 bis 2008) hat sich mehrfach öffentlich hinter den Club Forum gestellt; viele der ehemaligen und jetzigen Jugendgemeinderäte sind ständige Besucher der Veranstaltungen des Club Forums.
Gemäß Beschluss vom 21. Juli 2008 organisierte der JGR im September ein Gespräch zwischen evangelischer Kirche und Club Forum. Dort wurde deutlich, dass die Kirche das Haus im Paul-Gerhardt-Weg aus finanziellen Gründen nicht halten kann. Dem Club Forum wurde gleichzeitig die Nutzung einiger Räume in der Festen Burg angeboten, die aber für die Arbeit nicht gut geeignet sind (Lärmbelästigung). Inzwischen hat der Gesamtkirchengemeinderat beschlossen, das Haus zu verkaufen.
Eine Institution, die seit etwa 30 Jahren in Böblingen auf ehrenamtlicher Basis wertvolle Jugendkulturarbeit anbietet, muss erhalten bleiben in ihrer heutigen Form am heutigen Standort, sie sollte möglichst sogar, wie der Club Forum vorschlägt, ausgebaut werden. Eine Stadt, die für Jugendliche zwischen 15 und 25 im Übrigen wenig anbietet, sollte diese einmalige Chance nicht verspielen. Konzepte dafür liegen vor, dringend nötige Bandproberäume und die Nutzung des Gartens für die Kindertagesstätte eingeschlossen.
Am Mittwoch, 10. Dezember, wird die Stadt über Kauf und Zukunft des Hauses entscheiden. Die Stadträte sollen wissen, dass sie hiermit auch über eine Kultureinrichtung entscheiden, die weit über Böblingen hinaus einmalig ist und vielen Jugendlichen erst eine Identifikation mit ihrer Heimatstadt Böblingen ermöglicht.

Magdalena Senn,
Pressesprecherin des ehemaligen Jugendgemeinderats

Meine Tochter ist zweieinhalb Jahre alt. Sie ist kreativ. Sie malt gerne, bastelt und versucht sich in allen neuen Dingen. Ich wünsche mir für sie, wenn sie alt genug ist, eine Institution wie den Club Forum, in der sie sich selbst verwirklichen kann. Kreativ, experimentell, organisatorisch, praktisch. Ich war selber jahrelang aktives Mitglied und gehöre nun zu den „Alt-Forumlern“, die jedes Jahr froh sind, dies alles bei den Offenen Tagen für eine kurze Zeit wieder aufleben lassen zu können, sich zu erinnern, zu treffen, zu staunen, was das Forum im vergangenen Jahr wieder alles auf die Beine gestellt hat.
Wir wohnen in Königsbrunn, einer kleinen Stadt neben Augsburg. Hier gibt es keine solche Einrichtung. Ich kann aber darauf hoffen, dass sich diese Stadt in den nächsten Jahren so weit entwickelt, dass sich hier die Jugend dann in solch einer Institution verwirklichen kann. Eine Institution, die seit Jahren in Böblingen erfolgreich besteht und hier nun geschlossen werden soll!?
Das stimmt mich außerordentlich traurig und ich hoffe, dass die Verantwortlichen hier eine Lösung finden, die die Arbeit des Club Forums würdigt und vor allem bestehen und weiterleben lässt.

Iris Cvetkovic,
Königsbrunn